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Zur Geschichte des Evangelischen Kindergartens in Naumburg - West (Almrich)

Er wurde 1891 gegründet von den Schwestern Emma und Gertrud Schellbach. In einem "kurzen Überblick über die Entstehung und Entwicklung der Diakonissenstation und Kleinkinderschule in Almrich" schreiben sie selbst darüber:

" Da uns unsere Wege meistens nach Almrich führten, lernte ich die Verhältnisse und Personen dort nach und nach kennen. Um den Leuten etwas näher zu treten, bat ich zunächst den Ortsgeistlichen in Flemmingen um die Erlaubnis im Handarbeitsunterricht, den eine einfache Frau dort in der Schule erteilte, helfen zu dürfen.Diese Stunden benutzte ich nebenbei dazu, den Kindern gute, christliche Erzählungen vorzulesen., bis leider nach einigen Jahren diese Tätigkeit von der Schulbehörde untersagt wurde.

Doch fiel mir der traurige Zustand der Gemeinde schwer aufs Herz, der Geistliche wohnte in einem anderen Ort, eine Gutsherrschaft oder eine andere Familie, die sich nur einigermaßen der Kranken und Armen annehmen konnte, gab es nicht, sie waren sich vollkommen selbst überlassen.
Als sich kurz hintereinander zwei alte Männer aus Mangel an jeglicher Fürsorge erhängt hatten und ein anderer, der überfahren war, lange Zeit ohne Pflege liegen musste, bat ich den Herrn, mir die Wege zu zeigen um eine Diakonissin dort anstellen zu können."

Im Herbst 1889 wurde die erste Diakonisse als Gemeindeschwester angestellt. Sie wohnte in einer Mietwohnung. Diese erwies sich als unzureichend. Die Schwestern ließen daraufhin aus ihrem eigenen Vermögen ein Haus bauen, in dem die Gemeindeschwester wohnen sollte, in dem sich außerdem ein großer Raum zu Vereinszwecken befand, der in der Woche als Kleinkinderschule benutzt werden sollte. Die damalige Schwester erklärte sich bereit, diese mit Hilfe eines jüngeren Mädchens zu übernehmen.
Das Haus wurde am 2. April 1891 eingeweiht.
In der Folge wurde die Aufsicht der Kleinkinderschule ganz in die Hände des Ortsgeistlichen gelegt. Ein Vorstand wurde durch den Superintendenten gegründet. "Dieser ließ sich auch die Beschaffung äußerer Mittel sehr angelegen sein, für die ich sonst fast allein aufgekommen war, es war freilich oft recht dürftig gewesen, aber nach dem Wort des Herrn haben wir nie Mangel gehabt, ja, sogar köstliche Erfahrungen machen dürfen".

1908 schreibt eine der Schwestern: "Da nun Almrich seit einigen Jahren einen beständigen Hilfsprediger bekommen hat, scheinen sich die beiden Anstalten aus einer Privatsache mehr und mehr in eine richtige Gemeindearbeit umzugestalten. Auch dafür darf ich dem Herrn dankbar sein, denn dadurch wird der Fortbestand der Sache auch im Falle persönlicher Verhinderung gewährleistet und auf eine auch äußerlich sichere Grundlage gestellt."

1909: " Die Kleinkinderlehrerin erhält monatlich 18 Mk. Gehalt, die Schwester 10 Mk und einen Zuschuss zu ihrer Kleidung von 25- 35 Mk. Für ihre volle Beköstigung wird für jede 20 Mk monatlich berechnet, wofür sie auch Beleuchtung und Wäsche umsonst haben".
" Die Kleinkinderschule versammelt die Kleinen täglich von 8 - 12 Uhr und von 1- 6 Uhr. Im Winter wird die Schule gleich nach dem Weihnachtsfest auf 2 Monate, Januar und Februar geschlossen, da die Frauen dann meistens zu Hause sind und die Kleinen bei Schnee und Kälte nicht kommen würden. Die " Tante" nimmt während dieser Zeit ihren Erholungsurlaub, da im Sommer der Feldarbeit wegen keine eigentlichen Ferien sind."

1912 kaufte die Kirchengemeinde Altenburg das Grundstück mit dem Haus, in der der Kindergarten und die Schwesternstation untergebracht waren gegen eine den beiden Fräulein Schellbach zu zahlenden jährlichen Rente von 400 Mark und gegen Übernahme der Hypotheken die auf dem Haus lagen. 1932 wurden diese gelöscht.
1909 wurde im Ort ein Diakonieverein gegründet, der die Arbeit der Schwesternstation und des Kindergartens finanziell unterstützen sollte. Dadurch wurde der Fortgang der Arbeit einigermaßen gesichert.
Seit 1923 arbeiteten Diakonissen aus dem Diakonissenmutterhaus Cecilienstift in Halberstadt in Almrich, seit dem 1.10 1927 Schwester Hildegart Niemeyer als Kinderschwester.

1941 schreibt Herr Pfarrer Engelbrecht:" Am 1.9 1941 wurde der Evangelische Kindergarten in Almrich von der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt übernommen. Die Kirchengemeine gab den Kindergarten nicht gern ab. Sie wurde dazu durch eine Verfügung des Regierungspräsidenten bzw. der NSDAP gezwungen. Freitag, 27. 8. 1941 wurde der alte Kindergarten feierlich geschlossen und Montag, 1.9.1941 der neue Betrieb eröffnet. Die bisherige Leiterin, Diakonisse Hildegard Niemeyer vom Diakonissenhaus Cecilienstift in Halberstadt verblieb auf Wunsch der NSV in ihrer Arbeit als Leiterin des Kindergartens, ohne aus ihrem Mutterhaus auszuscheiden. Der Kindersaal und die Wohnung der Schwester Hilde wurden bis auf weiteres von der Kirchengemeinde an die NSV vermietet..."

Zum 30.9.1942 kündigte die NSV die Beschäftigung der Schwester Hilde. Sie blieb aber als Gemeindeschwester tätig, hielt den Kindergottesdienst in Almrich und arbeitete auch in der Naumburger Moritzgemeinde. So konnte sie, als 1946 nach mancherlei Schwierigkeiten der Kindergarten wieder eröffnet wurde, ihre Arbeit wieder aufnehmen.
Herr Pfarrer Becker schreibt dazu: " das Inventar, das in die NSV Kindergartenbaracke überführt worden war, war großenteils zerstört, beschädigt und zum Teil auch gestohlen. Schwester Hilde hat keine Mühe gescheut, das Vorhandene wieder in brauchbaren Zustand zu versetzen, so dass ein Betrieb mit 50- 60 Kindern möglich wurde.

Die Unterhaltung des Kindergartens gestaltete sich äußerst schwierig. Als das Dorf Altenburg 1950 nach Naumburg eingemeindet wurde, verweigerte der Rat der Stadt Naumburg die Zahlung der von Altenburg bisher geleistete Zuschüsse von insgesamt 2860.-DM. Doch hat die Station bisher immer noch gehalten werden können durch Zuschüsse der Inneren Mission, des Hilfswerkes, der Propstei und des Kirchenkreises."